Samstag, 14. Mai 2016

Zyon, April: Knights of Ares: First Contact



Stoische Ritter des Kriegsgottes Ares

Die griechischen Götter gibt es wirklich - jedenfalls in dem Buch "First Contact" von April Zyon. Mikhail und Garrett sind Mitglieder einer Sondereinheit, die aus Seals und Army Rangern besteht. Nach einem Einsatz in Griechenland wird den verdutzten Männern von ihrem General ein Mann vorgestellt, der sich als der griechische Kriegsgott Ares herausstellt. Fortan dienen die Männer unter seinem Kommando und werden ein Jahr im Olymp auf ihre Aufgabe vorbereitet, die da lautet: Vampire und Wergetier jagen und den bösen Hades so daran hindern, aus seinem Gefängnis zu entkommen, denn diese Wesen sind mit Hades verbündet. Wäre er frei, würde er die Welt in Chaos stürzen.

Ares schickt die Männer in eine Kleinstadt, wo sie die Kindergärtnerin Morgan vor einer Werwolfentführung retten sollen. Sie wissen selbst nicht, weshalb die Dame so wichtig ist, Ares erklärt es ihnen nach Erledigung ihrer Aufgabe. Morgan ist eine süße Quasselstrippe, die die stoischen Soldaten Mik und Garrett aus der Reserve zu locken versteht. Das große Haus der "Knights of Ares" wird zu ihrem Zufluchtsort, wo sie unter dem Schutz der Männer lebt. Derweil entwickelt sich die Beziehung von Morgan zu Mik und Garrett unter dem neugierigen Blick der anderen Soldaten rasant. Was hat es mit der rätselhaften, fast schon magischen Anziehungskraft auf sich, die Morgan für die beiden Männer empfindet? Die Werwölfe versuchen derweil ihrer habhaft zu werden ...

Mit "First Contact" gebe ich einem Ménageroman eine Chance, in dem es keine erotischen Berührungen zwischen den Männern gibt. Das Buch hat keinerlei Gayanteil. Insgesamt ist es humorvoll geschrieben, aber die Autorin lässt uns nicht an den Emotionen der Protagonisten teilhaben. Ja, Mik und Garrett bilden eine Art Zweierteam, wobei Mik ein Scharfschütze ist und Garrett eben nicht. Sie kämpfen gar nicht im Zweierteam, wie können sie also ein Zweierteam sein? Das ist also schon einmal total unlogisch. Am Anfang wird erwähnt, dass sie sich regelmäßig Frauen teilen. Als es dann zu einem entsprechenden Gespräch zwischen den drei Protagonisten kommt, sagen sie Morgan, sie hätten so was noch nie gemacht. Das soll keine Lüge der Männer sein, die Autorin hat einfach vergessen, was sie am Anfang behauptet hat.

Zwischen Mik und Garrett gibt es keinerlei freundschaftliche Gesten, die darauf hindeuten würden, dass sie einander vertrauen und bereit wären, sich Morgan zu teilen. Sie will es so, also wird es gemacht. Bestimmt hatte die Autorin eine sehr innige Freundschaft der beiden beim Schreiben im Sinn, sie zeigt sie uns aber nicht.

Das Buch konnte bei mir ein bisschen mit seinem Humor und der an sich charmanten Grundkonstellation punkten. Wahrscheinlich werde ich dem nächsten Teil noch eine Chance geben.


Drei French Toasts

Freitag, 31. Juli 2015

Analsex am Morgen



Analsexszenen am Morgen ... also vor dem Aufstehen, wenn die Figuren gerade aufgewacht sind. Na danke aber auch! Öh ... Ich weiß ja, dass Romanfiguren praktisch niemals auf die Toilette gehen, aber ich tue das schon. Und regelmäßig erinnere ich mich an gewisse Bedürfnisse am Morgen, wenn ich wieder einmal so eine Liebesszene in einer Gayromance lese. Ich kann nicht anders, sorry.

Ich finde die Szene dann nicht mehr romantisch, also so überhaupt nicht mehr. Kein bisschen. Also ehrlich gesagt ekele ich mich sogar. Mir kommt beim Kopfkino eben die Realität dazwischen ...

Montag, 11. August 2014

Land, Alexa: Sky Blue


Zwischen Screwball, Schrottplatzgehoppe, Tabledance und Feuerleiter sucht man die Liebesgeschichte mit der Lupe

Sky Blue ist Kunststudent, er sammelt Schrott in seiner Wohnung, den er vielleicht einmal zu Kunstwerken verarbeiten wird – oder auch nicht. Seine Sammelwut hat schon etwas messihaftes und sein Bruder zieht dann auch konsequenterweise aus der Wohngemeinschaft aus. Sky hat viele Freunde und das Buch handelt ellenlang von Skys kleinen und großen Unternehmungen mit ihnen. Zwischendurch wird in homöopathischen Dosen seine Liebesgeschichte mit einer recht interessanten Figur abgehandelt. Die Autorin macht ja immer ein Geheimnis draus, wer der Love Interest ihrer jeweiligen Hauptperson ist, als wäre ihr Buch ein Krimi. Ist es aber nicht. Und man hat bei der Aufdeckung des Partners auch kein berauschendes Aha-Erlebnis.

Von Buch zu Buch legt die First and Forever Serie an Slapstick zu, man kann schon fast von Screwball-Komödien mit großem Ensemble reden. Wie in jeder Screwball-Komödie ist die Kernliebesgeschichte nur ein Vehikel für jede Menge lustiges Herumgestolpere durch die Szenerie. Hier kann sich die Autorin allerdings noch nicht so ganz entscheiden, auch konsequent in Richtung Screwball zu gehen. Die Tragik ihrer Vergangenheit tropft den Hauptcharas regelmäßig aus allen Poren, das wird mittlerweile so dick aufgetragen, dass es nervt.
Der Love Interest ist in diesem Buch eigentlich keine Hauptfigur, er verschwindet zwischen den vielen Freunden von Sky und die Autorin findet es so viel wichtiger, Sky ganze Kapitel lang mit seinen Freunden auf Schrottplätzen herumpirschen zu lassen, von seiner großen Liebe ist da weit und breit noch nichts zu sehen. Insofern wirkt das Buch eher wie eine Art Dokumentation moderner Cliquen junger Leute, die miteinander chatten, Unsinn machen, sich per Handy da und dort hin bestellen und zwischendurch den Treffpunkt wechseln, weil es so einfach ist, per SMS einen neuen auszumachen. Zwischen Schrottplatzhopping, E-Mail für dich, Tabledance und Geklettere auf der Feuertreppe hechelt Sky in seine Liebesgeschichte mit seinem Herzbuben. In dem Buch Salvation dachte ich noch, das Zusammenstutzen der Liebesgeschichte zu einer Nebensache sei ein Versehen gewesen. Nun merke ich, die Autorin hat das zum Konzept gemacht. Ich sehe keinen Sinn darin, einen Liebesroman zu lesen, in dem die beiden Liebenden nur wenige gemeinsame Auftritte haben. Sky Blue wird also wahrscheinlich für mich das letzte Buch der Reihe sein. Schade, ich habe die früheren Bände vor Sky Blue und Salvation nämlich wirklich sehr gerne gemocht.



Samstag, 19. Juli 2014

Wie lang dürfen Quickies in schwulen Liebesromanen sein?


Quickies in Liebesromanen sind alles mögliche, nur nicht quick, also kurz, heiß und schnell. Ist euch das schon einmal aufgefallen? Die Handlung geht also in Richtung Spontansex und einer der Charas möchte es schnell und heftig, meistens haben es beide eilig.
„Ich will dich! SOFORT! Mach schon, mach schon! Beeil dich!“
Und was folgt?
Gehen die dann etwa in die Vollen? Nein! Es wird geküsst und geküsst und geküsst. Danach wird nach dem Gleitgel gesucht und gesucht und gesucht, wahrscheinlich klemmt der Reißverschluss der Hose, vielleicht stolpern sie noch die Treppen hinauf oder über ein Möbelstück. Und wenn die Klamotten endlich, endlich so weit heruntergezogen sind, dass Person A sich in Person B hineinschieben könnte, gibt es drei Handlungsvarianten:
a.) Es folgt eine ellenlange Rückblende,
b.) Person A bereitet Person B ewig und Dreitage mit den Fingern vor oder
c.) sehr wortgewandte Autoren fangen jetzt erst richtig an, die Eindrücke der Charas zu beschreiben, Farben, Gerüche, den Hauch des Windes auf der Haut, das Schwirren der Insekten, die Borke des Baums an der Handfläche, das Kratzen von Stoff auf der Haut.

Besonders aufgeweckte Autorinnen kombinieren die Punkte a, b und c.

Gerne wird auch das Fingern in allen Einzelheiten beschrieben. Nicht etwa, weil die beiden Liebenden gleich zum Fisten übergehen wollen und das Buch speziell für Freunde der Fausterotik geschrieben wäre. Nein, es geht nur um einen ganz normalen analen Liebesakt zwischen zwei Männern. Der Quickie verliert derweil an Fahrt und Energie und ich skippe im Reader zwei Seiten vor. Aha, immer noch Finger! Will der etwa nach Erdöl bohren? Ist das ein Buch für Freunde der Glibbererotik oder weshalb wird mit so viel Wortgeschick beschrieben, wie das Zeug IN den Anus hineinverbracht wird? Skip, skip, skip … Yeah, jetzt geht der Schwanz endlich auf Tuchfühlung.
„Ist es für dich auch angenehm, Liebster?“, säuselt Toppi seinem Botty ins Ohr.
Häh? Wie war das doch gleich? Bin ich hier im falschen Film … äh … Buch? Oben war ein Quickie angekündigt.

In schwulen deutschsprachigen Romanzen gibt es im Regelfall die gaaanz Zärtlichen und die gaaanz brutalen Bösen. Im englischen Sprachraum wird die Skala der unterschiedlichen schwulen Leidenschaften von den Autorinnen etwas freudiger und variantenreicher ausgeschöpft. Da darf es ein Chara auch schon einmal härter mögen oder der Akt trocken durchgeführt werden, etwas Schweiß oder Spucke sei dank.

Nachdem Botty seinem Toppi dann mindestens hundertmal versichert hat, wie toll er alles findet, wird Toppi dann etwas schneller – ein bisschen. Und mir fallen vom Skippen erschöpft die Augen zu. Ach, morgen ist auch noch ein Tag. Ich gähne, drücke den Ausknopf des Kindle und kuschele mich zum Schlafen zurecht. Schöne Einschlafhilfe, so ein Quickie.

Dienstag, 17. Juni 2014

Der Aschenputtelkomplex oder weshalb arme Leute in Romanen keinen Reichtum genießen können


Gestern habe ich einen Liebesroman gelesen, in dem eine Frau in einer finanziell prekären Situation bei einem reichen Mann angestellt wurde und endlich genug Geld hatte, um ihre schon fadenscheinige Garderobe durch schöne Stücke erneuern zu können. Statt sich freudig erregt in den Einkaufsbummel zu stürzen, war ihr alles furchtbar unangenehm.

In einem anderen Roman las ich über eine junge Mutter, die zum Onkel ihres Kindes zieht, der so reich ist, dass er gleich zwei Haushälterinnen beschäftigt, eine für die Tagschicht und eine für die Nachtschicht. Muss ich berichten, dass die Frau sich alleine ihr Rührei gemacht hat, weil es ihr peinlich war, die Haushälterin zu wecken?

Vormals arme Männer in Romanen, wenn sie denn überhaupt von den Autorinnen in einen eleganten Anzug gesteckt werden, müssen regelmäßig an der Krawatte zerren, die ihnen so was von unangenehm ist.

ARGH!

Ich hasse diese Aschenputtelstereotypen. Warum muss das Besteck in der Vorstellung des Aschenputtels regelmäßig zu silber, zu gold, die Gläser zu sehr aus Kristall sein, das Haus zu prächtig? Darf Aschenputtel, ob männlich oder weiblich, den Luxus nicht genießen? Gerät es dann romantechnisch gleich in die Schublade der bösen Schwester?

Wenn ich solche Szenen lese wie die mit der Nachthaushälterin, dann sage ich mir, wenn die blöde Aschenputtelkuh die Haushälterin nicht in Anspruch nimmt, dann wird der dienstbare Geist wohlmöglich vom Chef zurechtgewiesen oder rausgeschmissen und kann sich den Lebensunterhalt nicht mehr verdienen. Wenn die Dame des Hauses sich ihr Essen selbst kochen möchte, weil sie es liebt zu kochen, dann ist das ihr gutes Recht, aber in der zitierten Szene ging es nicht um Kochleidenschaft.

Vermutlich sind solche Szenen dazu da
a.) die gesellschaftlichen Unterschiede zu verdeutlichen und
b.) Sympathie für das Aschenputtel zu wecken.

Bei mir geht das regelmäßig daneben, denn meistens ist die Heldin zwar arm, aber entstammt durchaus dem Bürgertum oder deselben Schicht wie der Held, hat sich aber freiwillig entschieden, in Armut zu leben, weil sie
a.) ihren reichen Eltern trotzen wollte und/oder
b.) dem Helden sein Kind vorenthalten wollte.

Kommt liebe Leserinnen und Leser. Romantisiert nicht diese tränenreichen "er glaubt mir nicht, dass das Kind von ihm ist, also verlasse ich ihn und ziehe es alleine groß". Ein weiterer Stereotyp, der mir unheimlich auf den Geist geht. Wenn der Typ so brutal, böse, fies und gemein ist, dass das Kind vor ihm geschützt werden muss, tut die Frau gut daran, zu flüchten, für alles andere gibt es Vaterschaftsklagen und Gentests. Punkt! Verletzte Eitelkeit bei der Frau darf nicht dazu führen, dass die Frau dem Mann das Kind vorenthält, mag er sie auch für untreu halten. Die Kühe sind ziemlich schwachsinnig in ihrer Denkweise. Sie lassen ihre Kinder lieber im Prekatiat aufwachsen, als dem Mann mutig entgegenzutreten und zu sagen: "Der Gentest wird zeigen, dass du der Vater bist und dann kommst du auf Knien angekrochen. Ich nehme dich nicht zurück, aber für das Kind zahlst du bis zum Sankt Nimmerleinstag. Autorinnen solcher Romane scheinen in Bezug auf Gentests einen weißen Fleck zu haben oder es für romantechnisch ehrenrührig zu halten, wenn die Heldin statt flennend wegzurennen, weil der Kerl Zweifel an seiner Vaterschaft anmeldet, ihm kackfrech ins Gesicht zu sagen: "Der Test wird es zeigen, meine Lieber, du kannst dich schon einmal warm einpacken."

Diese fahrlässige serienhafte Zeugung von Kindern während One Night Stands und flüchtiger Affären mit den Millionären, Milliardären, beispielsweise in Cora-Romanen, zeigt, was für ein risikolastiges Sexleben in diesen Romanen gelebt wird. Wer Kondome benutzt, zeugt in der Regel keine Kinder, es sei denn, das Ding platzt, was aber nur sehr selten vorkommt.

Reichtum wird in solchen Romanen ersehnt, aber Luxus bedeutet Gefahr, das ist in gewisser Weise die Quadratur des Kreises. In Cora-Romanen ist es nicht mehr nur der Millionär, es muss schon der Milliardär sein. Manchmal habe ich den Verdacht, dass sich die Autorinnen solcher Romane mit ihnen ein bisschen verzetteln, weil sie selbst keine Milliärdärinnen sind, selbst gerne Jeans tragen und Geld zwar schätzen, aber das, was als Jetset oder Schicki Micki bezeichnet wird, eigentlich verarchten. Daraus würde natürlich auch wieder eine gute männliche oder weibliche Aschenputtelfigur in einem Roman, eine Figur, die an dem ganzen Luxus mit lässiger Ignoranz teilnimmt oder ihn sich aus einer inneren Distanz anschaut, ohne gleich wie ein verschrecktes Hascherl zu reagieren (bzw. sich gleich von der Krawatte erstickt fühlt).

Das Aschenputtel reflexartig in Szenen zu schreiben, in denen dem Aschenputtel der Luxus peinlich oder lästig ist (oder es sich in dem Luxus nicht wohlfühlt), macht Massenware, aber keinen Roman, der mir sonderlich gefallen würde. Meistens lese ich dann noch zu Ende und es kommen vielleicht Szenen hinzu, die mich anderweitig anrühren. Luxus ist für mich kein Teufelswerk per se, sondern etwas, was sich zu genießen lohnt. Manchmal ist Personal im Luxusbereich hochnäsig, das muss man sich erziehen, wenn man wiederkommen möchte (oder einfach ignorieren). Sogar Oprah Winfrey hatte schon das Missvergnügen, von einer Luxushandtaschenverkäuferin von oben herab behandelt zu werden, weil die Guteste an dem Tag offenbar ihre Platinanstecknadel "Ich habe Geld wie Heu" zu Hause vergessen hatte. Schroff behandelt zu werden ist also keine Frage, wie viel Geld jemand in der Tasche hat.